Mehr als 37 Jahre waren seit Einführung der Bundesliga vergangen, als der deutsche Profifußball eine weitreichende Entscheidung traf. Im „Hotel Gravenbruch“ in Neu-Isenburg nahe Frankfurt am Main kam die Vollversammlung der 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga am 18. Dezember 2000 zu einem Votum, das in der Geschichte des deutschen Fußballs eine Zeitenwende markiert: Die Bundesliga war selbständig geworden. Behoben war damit „der Geburtsfehler“ – so hatte Gerhard Mayer-Vorfelder, damals Vorsitzender im Ligaausschuss des DFB, dessen Vizepräsident er auch war, die Tatsache bezeichnet, dass die Selbstständigkeit nicht gleich 1963 bei der Bundesliga-Gründung vollzogen worden war.

Bis dahin war der Ligaausschuss für die stetig wachsenden Anforderungen des deutschen Profifußballs und seiner Clubs zuständig gewesen. Beim DFB lag die Zuständigkeit bei Ligadirektor Wilfried Straub und Ligasekretär Wolfgang Holzhäuser – gebunden an die Weisungen des mit Vertretern der Clubs besetzten Ligaausschusses, einem der Gremien, in welche die Vereine bei den DFB-Bundestagen ihre Repräsentanten wählten. Beim DFB wurden der Vertrieb der TV-Rechte und das immer detailliertere LizenzierungsverfahrenDFL-Lizenzierungsverfahren Das auch international hoch angesehene Lizenzierungsverfahren sichert den Spielbetrieb und schafft zusätzliche Stabilität. mehr abgewickelt, die SpielpläneSpielpläne In die Vorbereitung der Spielpläne für die Bundesliga und 2. Bundesliga fließen zahlreiche Vorgaben ein. mehr – noch per Hand – erstellt und auch die Wettbewerbe um den SupercupSupercup Beim Supercup stehen sich der Deutsche Meister und der DFB-Pokalsieger der vorangegangenen Saison gegenüber. mehr und den Ligapokal sowie das Hallenmasters auf den Weg gebracht und organisiert.

 

Werner Hackmann, erster Präsident des Ligaverbandes, Wilfried Straub, erster Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung und der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder (von links) waren wesentlich am Weg des Profifußballs in die Eigenständigkeit beteiligt.

Parallel zur wachsenden wirtschaftlichen Stärke und zum steigenden Interesse der Öffentlichkeit und der Medien am deutschen Vereinsfußball wuchs die Erkenntnis, dass die Proficlubs auch in Deutschland eine eigene Organisation benötigten.

Einstimmiges Ja des DFB-Bundestags

Eine historische Stunde schlug am 30. September 2000, also im 100. Jahr des DFB-Bestehens, als bei einem Außerordentlichen DFB-Bundestag in Mainz alle 202 Delegierten mit einer gravierenden Satzungsänderung die Strukturreform des Verbandes verabschiedeten. Das einstimmige Ja zum neuen Ligaverband, der 2016 in DFL e.V. umbenannt wurde, schaffte die Voraussetzungen für die Selbständigkeit des Profifußballs im weiteren Zusammenspiel mit dem DFB.

„Noch nie wurde eine Reform des DFB mit so viel Kraft und Engagement vorangetrieben“, sagte Gerhard Mayer-Vorfelder. „Wir haben für europäische Verhältnisse ein einzigartiges und wegweisendes Modell verabschiedet.“

Am 18. Dezember 2000 folgte die Gründung des Ligaverbandes, zu dessen erstem Präsidenten Werner Hackmann gewählt wurde, ehemals Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg sowie Vorstandsvorsitzender beim Hamburger SV. Obwohl die Bestätigung der Veränderungen durch den DFB-Bundestag am 28. April 2001 noch ausstand, war der Ligaverband schon für das Lizenzierungsverfahren zur Saison 2001/02 zuständig.

Vom DFB 2007 zur eigenen Adresse

Zur Wahrnehmung des operativen Geschäfts gründete der Ligaverband zum 1. Juli 2001 die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH. Wilfried Straub übernahm den Vorsitz der Geschäftsführung der am 9. April 2001 in das Handelsregister eingetragenen GmbH. Heribert Bruchhagen wurde Geschäftsführer für den Spielbetrieb, Christian Müller zeichnete für die Bereiche Finanzen und Lizenzierung verantwortlich, Michael Pfad für den Bereich Kommunikation. Anfangs 20 DFL-Mitarbeiter bezogen Büros in der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main, wo die DFL im Mai 2007 in der Innenstadt ihre eigene Adresse erhielt.

Heute hat die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH ihren Sitz in der Guiollettstraße in Frankfurt am Main.

Christian Seifert folgt auf Wilfried Straub

Am 1. Juli 2005 folgte Christian Seifert als Vorsitzender der Geschäftsführung auf Wilfried Straub, der die Kommandobrücke nach fast 40 Jahren bei DFB und DFL verließ.

Der Tod von Werner Hackmann am 28. Januar 2007 bedeutete einen traurigen Einschnitt. Der frühere SPD-Politiker hatte den noch jungen Ligaverband bis dahin als Präsident und Vorsitzender des DFL-Aufsichtsrats geprägt.

Wolfgang Holzhäuser (Bayer 04 Leverkusen) übernahm nach Werner Hackmanns Tod die kommissarische Führung des Ligaverbandes bis zu den turnusmäßigen Neuwahlen. Am 6. August 2007 wurde Dr. Reinhard Rauball zum neuen Ligapräsidenten gewählt und bei den drei folgenden Generalversammlungen jeweils einstimmig bestätigt, zuletzt am 24. August 2016 für eine weitere Legislaturperiode bis 2019.

Bei der Generalversammlung 2016 wurde DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball für eine vierte Legislaturperiode im Amt bestätigt, das er von 2007 bis 2019 bekleidet hat.

Auf der Generalversammlung des DFL e.V. im August 2019 war das Amt des DFL-Präsidenten nicht mehr vorgesehen. Dr. Reinhard Rauball hatte bereits frühzeitig angekündigt, nicht erneut für ein Amt bei der DFL zu kandidieren. Im Juni 2019 beschlossen die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga im Rahmen einer Mitgliederversammlung einstimmig eine Strukturreform des DFL e.V., das neue Modell wurde zur Generalversammlung am 21. August 2019 eingeführt. Seitdem fungiert Christian Seifert als Geschäftsführer der DFL GmbH gleichzeitig als Sprecher des Präsidiums des DFL e.V. und koordiniert dessen Arbeit. Operative Verantwortung und kommunikative Vertretung nach außen liegen damit in einer Hand.