DFL Deutsche Fussball Liga

Serie über die Fanarbeit der DFL – Teil 5: Fanprojekt-Arbeit – Finanzierung und inhaltliche Begleitung durch die DFL

  • Serie: Einblicke in die Fanarbeit der DFL
  • Teil 5: Fanprojekte – Wie die DFL die soziale Arbeit mit Fußballfans in Deutschland unterstützt

18.12.2019 – Im Fokus des fünften Teils unserer Serie stehen die sozialpädagogischen Fanprojekte. Was macht Fanprojekte eigentlich aus und an wen richten sie sich mit ihrem Angebot? Worauf begründet sich die Arbeit der Fanprojekte und wie unterstützt und begleitet die DFL das Arbeitsfeld?

Was sind Fanprojekte?

Fanprojekte machen eine besondere Form der Jugend- und Sozialarbeit aus. Sie sind eine unabhängige Einrichtung der Jugendhilfe und somit in den kommunalen Jugendhilfestrukturen vernetzt. Sie zeichnen sich durch einen nahen und sozialpädagogischen Zugang zu den aktiven Fanszenen unter anderem an den Standorten der Bundesliga und 2. Bundesliga aus. Mit ihrem sozialpädagogischen Ansatz sind Fanprojekte in der Lage, jungen Menschen eine Hilfestellung bei der Bewältigung von Problemen zu ermöglichen oder sie an spezialisierte Stellen und Ansprechpartner zu vermitteln. Die Zielsetzungen, Aufgaben und Maßnahmen von Fanprojekten leiten sich unter anderem aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetzt ab und sind mit den Leitlinien des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) in Abgleich zu bringen.

Seit wann gibt es Fanprojekte?

Die ersten Fanprojekte wurden in den Achtzigerjahren ins Leben gerufen. Das erste Fanprojekt nahm im Jahr 1981 in Bremen seine Arbeit auf. Im Jahr 1992 wurde das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) verabschiedet und berücksichtigt seither die Aufgaben von Fanprojekten – neben der Fanarbeit der Clubs. Im Rahmen der Aktualisierung des NKSS im Jahr 2012 wurde der sozialpräventive Ansatz der Fanprojekte nochmals gestärkt.

Wie werden Fanprojekte finanziert?

Seit dem Jahr 2013 werden die Fanprojekte nach der sogenannten Dreierfinanzierung getragen: Fünfzig Prozent werden von der öffentlichen Hand (Kommunen/Bundesland) und ebenfalls fünfzig Prozent werden vom Fußball (DFL/DFB) übernommen. Je nach Ligazugehörigkeit des Bezugsvereins unterstützen DFL und DFB an den jeweiligen Fanprojekt-Standorten – die DFL unterstützt aktuell 35 Standorte der Bundesliga und 2. Bundesliga.

Dadurch investiert die DFL derzeit ca. 4,2 Millionen Euro pro Saison in Arbeit der Fanprojekte und fördert somit maßgeblich einen wesentlichen Grundstein der sozialpädagogischen Betreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Fußballkontext.

An wen richtet sich die Fanprojekt-Arbeit?

Grundsätzlich umfasst die Zielgruppe der Fanprojekte alle Fußballfans zwischen 14 und 27 Jahren unabhängig von Geschlecht und sozialer Herkunft. Fanprojekte arbeiten mit verschiedensten Fangruppen und Einzelpersonen. Allen gemeinsam ist, dass der Fußball das eigene „Fansein“ und die Freizeitgestaltung stark beeinflusst und damit ein bedeutender Identifikationsfaktor ist.

Was sind die Aufgaben von Fanprojekten?

Die Hauptaufgabe von Fanprojekten besteht in der Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Weiter ist es die Aufgabe von Fanprojekten, eine kreative, an demokratischen Werten orientierte und selbstbestimmte Fankultur zu stärken sowie lebensweltbezogene Freizeit- und Bildungsangebote für junge Fans zu offerieren.

Ausgewählte und handlungsleitende Arbeitsprinzipien der fachlichen Standards der Fanprojektarbeit sind:

  • Lebensweltorientierung
  • Beziehungsarbeit
  • Akzeptanz
  • Freiwilligkeit
  • Partizipation
  • Diskursorientierung

Welche Rahmenbedingungen sind für die Arbeit von Fanprojekten besonders wichtig?

Eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für eine nachhaltige sozialpädagogische Arbeit mit jungen Fußballfans ist ein geschützter Rahmen. Erst dann kann aus Vertraulichkeit Vertrauen entstehen. Die Stärkung von Potenzialen und Ressourcen, aber auch die kritische Auseinandersetzung mit Fehlverhalten erfordern ein hohes Maß an Sensibilität und Nähe zur jeweiligen Zielgruppe.

Was sind die Unterschiede zwischen Fanprojekt-Arbeit und der Fanarbeit der Clubs?

Die Fanarbeit in Deutschland fußt auf zwei Säulen: den vereinsunabhängigen Fanprojekten und den Fanbeauftragten der Clubs. Um eine funktionierende Fanarbeit zu gewährleisten ist ein Zusammenspiel der beiden Säulen elementar.

Die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte ist extern ausgerichtet und unterscheidet sich in diesem Punkt wesentlich von der nach innen zielenden Fanbetreuungsarbeit der Fanbeauftragten bei den Clubs.

Als Angestellte der Clubs sind Fanbeauftragte zum einen die „Stimme der Fans“ im Verein, zum anderen müssen sie komplexe Faninteressen mit vielschichtigen, teils sicherheitsrelevanten, teils unternehmerischen Interessen des Clubs zusammenführen. Fanbeauftragte sind für alle Mitglieder, Fans sowie Zuschauerinnen und Zuschauer ihres Clubs zuständig (mehr zur Arbeit der Fanbeauftragten finden Sie auch im zweiten Teil unserer Serie).

Die sozialpädagogisch ausgerichtete Arbeit der Fanprojekte konzentriert sich dagegen auf eine eingegrenzte Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und orientiert sich an den Fans und ihrer Lebenswelt selbst.

Gleichwohl gibt es viele Schnittmengen beider Systeme, die idealerweise durch eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit ausgefüllt werden. Eine – unter anderem von der DFL organisierte – Plattform für den Austausch beider Akteure der professionellen Fanarbeit, auf der gemeinsame Lösungsansätze für die aktuellen Herausforderungen diskutiert und entwickelt werden können, waren in diesem Jahr die sogenannten „Kamener Gespräche“.

Was ist die Aufgabe der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS)?

Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend (dsj) koordiniert und begleitet die Fanprojekte liegenübergreifend. Die Arbeit der KOS wird durch finanzielle Mittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und des deutschen Fußballs (DFL und DFB) ermöglicht. Zudem fungiert die KOS als Schnittstelle für alle Fragen im Kontext von Fankulturen und ist auch in beratender Funktion für Politik, Verbände, Medien und Sicherheitsorgane tätig. Seit 2010 existiert die Arbeitsgruppe Qualitätssicherung, welche vom KOS-Beirat eingerichtet wurde. Das Qualitätssiegel für Fanprojekte nach dem NKSS wurde in diesem Zeitraum eingeführt und wird jeweils für einen Zeitraum von drei Jahren vergeben. Aktuell befinden sich die Fanprojektstandorte bereits im zweiten Durchgang des Qualitätssiegelprozesses.

Was ist der KOS-Beirat?

Der KOS Beirat ist ein beratendes Gremium, dem die Deutsche Sportjungend (dsj) vorsitzt und welches daneben aus VertreterInnen folgender Institutionen besteht:

  • DFL Deutsche Fußball Liga
  • Deutscher Fußball-Bund (DFB)
  • Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
  • Deutscher Städtetag
  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG)
  • Innenministerkonferenz (IMK), vertreten durch Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS)
  • Jugendministerkonferenz, vertreten durch AG der Obersten Landesjugend- und Familienbehörde (AGJF)
  • Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj (KOS)
  • VertreterIn der Wissenschaft

Was ist die BAG?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) ist ein anerkannter fachlicher Zusammenschluss aller Fanprojekte in Deutschland, die professionelle sozialpädagogische Arbeit mit jugendlichen und heranwachsenden Fußballfans nach dem NKSS leisten. Seit 2011 ist die BAG als eingetragener Verein organisiert, der sich in vier Regionalverbünde (Nord, Ost, Süd und West) unterteilt.

Die BAG versteht sich ferner als eine Interessensvertretung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der lokalen Fanprojekte. Ihre Zielsetzung ist zum einen die Schaffung einer Gemeinschaft, die sich auf regionaler und bundesweiter Ebene für die Belange ihrer Mitglieder einsetzt. Sie motiviert diese darüber hinaus, sich im Sinne einer kritischen Lobbyarbeit für Fußballfans auf allen Ebenen an relevanten Diskussionsprozessen zu beteiligen und sich für die Förderung und den Erhalt von Fankultur zu engagieren. So ist die BAG unter anderem Mitglied in der von der DFL koordinierten AG Fankulturen.