Update ein Jahr nach Zusammenfassendem Ergebnisbericht der „Taskforce Zukunft Profifußball“ – Donata Hopfen: „Werden die Themen weiterhin intensiv vorantreiben“

Foto: DFL/Getty Images/Lukas Schulze

03.02.2022 – Ein Jahr nach Veröffentlichung des Zusammenfassenden Ergebnisberichts der „Taskforce Zukunft Profifußball“ hat die DFL Deutsche Fußball Liga ein Zwischenfazit gezogen – und über das weitere Vorgehen informiert. „Mit großem Interesse habe ich schon vor meinem Wechsel zur DFL den Dialog der Taskforce, deren Ergebnisse sowie die Umsetzung der Handlungsempfehlungen verfolgt“, sagt Donata Hopfen, Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung und Sprecherin des DFL-Präsidiums: „Erste große Meilensteine konnten bereits erreicht werden – beispielsweise mit Blick auf Nachhaltigkeit und den Club-Fan-Dialog. Wir werden die Themen weiterhin intensiv vorantreiben, um diesem einzigartigen Prozess Rechnung zu tragen. Eine offene Diskussionskultur und gesellschaftliche Verankerung sind für den Volkssport Fußball wichtiger denn je.“

In der vom DFL-Präsidium ins Leben gerufenen Taskforce hatten sich 37 Expertinnen und Experten aus Sport, Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 in interdisziplinären Diskussionen mit bedeutenden Themen und Fragestellungen zur Zukunft des Profifußballs beschäftigt. Am 3. Februar 2021 wurde der Zusammenfassende Ergebnisbericht mit 17 Handlungsempfehlungen für die DFL und die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga veröffentlicht.

Bei der Umsetzung setzt die DFL weiterhin auf einen Dreiklang aus fundierter Analyse, Aufarbeitung und anschließender Entwicklung von Maßnahmen. Unverändert gilt angesichts der Komplexität vieler Einzelaspekte, dass derartige Schritte für alle Clubs umsetzbar sein müssen – und daher die wirtschaftliche und strukturelle Spannweite innerhalb der DFL zu berücksichtigen ist, vom UEFA-Champions-League-Teilnehmer bis zum Aufsteiger aus der 3. Liga.

Im März 2021 hatte das DFL-Präsidium in Bezug auf die Handlungsempfehlungen die Schritte der Umsetzung priorisiert. Ein Update zu den entsprechenden Themen:

Nachhaltigkeit

  • Die Taskforce hatte ein „grundsätzliches Bekenntnis zu Nachhaltigkeit im deutschen Profifußball“ empfohlen. In dieser Hinsicht haben die Proficlubs schon am 14. Dezember 2021 einen wegweisenden Schritt gemacht. Nach einem entsprechenden Beschluss der DFL-Mitgliederversammlung ist nun ein eindeutiges Bekenntnis zu Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen – ökologisch, ökonomisch und sozial – in der Präambel der Satzung des DFL e.V. verankert. Zudem haben die Bundesliga und 2. Bundesliga beschlossen, als erste große Profifußball-Ligen überhaupt Nachhaltigkeitskriterien verpflichtend in ihre Lizenzierungsordnung aufzunehmen. Die konkreten Kriterien werden derzeit entwickelt und in den kommenden Monaten gemeinsam mit den Clubs sowie externen Expertinnen und Experten finalisiert. Die entsprechende Richtlinie ist anschließend durch die 36 Proficlubs zu verabschieden.
  • Die DFL wird darauf basierend einen jährlichen Nachhaltigkeitsreport veröffentlichen, der einen Überblick über Maßnahmen und Kennzahlen in Bezug auf die Bundesliga und 2. Bundesliga gibt.
  • Die DFL wird bereits in diesem Jahr erstmals einen Nachhaltigkeitskongress ausrichten. Damit soll eine Austauschplattform für die DFL und die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga untereinander ebenso wie mit Fachleuten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Medien geschaffen werden.
  • Auch die kürzlich verlängerte Kooperation zwischen der DFL und SPONSORs konzentriert sich künftig auf das Themenfeld Nachhaltigkeit. Mit Unterstützung der DFL wird SPONSORs in diesem Jahr im Rahmen des Sportbusiness-Events SPOBIS erstmals den „Award für Nachhaltigkeit im Sport“ verleihen.

Frauen im Berufsfeld Fußball

  • Die DFL befasst sich intensiv mit der Förderung der Karrieremöglichkeiten von Frauen im Berufsfeld Fußball. In Zusammenarbeit mit den externen Fachberatungen Odgers Berndtson und Frauen Karriere Index (FKI) wurden in den vergangenen Monaten umfassende Analysen durchgeführt. Die Ergebnisse werden derzeit aufbereitet und eingeordnet. Ziel ist unter anderem ein fundierter Überblick über den Status quo und damit beispielsweise auch über mögliche Hinderungsgründe für berufliche Karrieren von Frauen im Fußball.
  • Die DFL wird auf Grundlage dieser Analysen erstmals eine Vollversammlung der Personalverantwortlichen aller 36 Clubs einberufen, um mit Unterstützung externer Expertise weitere Schritte auszuarbeiten, um Geschlechtergerechtigkeit zu fördern.
  • Für das Zertifikatsprogramm „Management im Profifußball“, das sich an angehende Führungskräfte im sportlichen Bereich richtet, bieten die DFL und der DFB seit dem vergangenen Jahr erstmals zwei Stipendienplätze explizit für Teilnehmerinnen an.
  • Die DFL selbst wird ein Hospitanz-Programm etablieren, das sich explizit an Frauen richtet. Dies soll Einblicke in verschiedene Arbeitsbereiche der DFL-Gruppe ermöglichen und den Einstieg ins Berufsfeld Fußball unterstützen.

Frauenfußball

  • In den vergangenen Monaten hat sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Frauenfußball mit Vertreterinnen und Vertretern des Ausschusses Frauen-Bundesligen, des DFB sowie der DFL intensiv ausgetauscht. Die DFL wird sich – in Absprache und Konsens mit dem für den Frauenfußball verantwortlichen DFB – einbringen, um die Sichtbarkeit der höchsten Spielklasse der Frauen durch kommunikative Maßnahmen zu unterstützen. Dieser Schwerpunkt wurde durch die Vertreterinnen und Vertreter des Ausschusses Frauen-Bundesligen in der AG Frauenfußball priorisiert. Konkrete Maßnahmen werden mit der AG Frauenfußball sowie innerhalb der entsprechenden DFL-Kommissionen diskutiert.
  • Darüber hinaus unterstützt die DFL die Erarbeitung einer Analyse zum Stellenwert des Frauenfußballs. Anhand von Fakten und Best Practices soll die Attraktivität für Anspruchsgruppen (u.a. Fans, Clubs und Sponsoren) dargelegt werden.

Club-Fan-Dialog

  • Zur kommenden Saison 2022/23 umfasst die DFL-Lizenzierungsordnung erstmals verbindliche inhaltliche und strukturelle Voraussetzungen für den Club-Fan-Dialog. Verpflichtende Grundvoraussetzungen sind ebenso enthalten wie empfohlene Qualitätsanforderungen. Durch diesen Beschluss der DFL-Mitgliederversammlung vom 14. Dezember 2021 sollen der vielerorts hohe Standard der lokalen Club-Fan-Dialoge gesichert und Impulse für eine Weiterentwicklung gegeben werden. Die „Taskforce Zukunft Profifußball“ hatte „eine Weiterentwicklung und Standardisierung der bestehenden Club-Fan-Dialoge unter anderem durch die Ausarbeitung von Gütekriterien“ und eine Verankerung dieser Kriterien in den Statuten angeregt. Die neuen Richtlinien greifen Empfehlungen sowie Rückmeldungen von Fans, Fanbeauftragten, sozialpädagogischen Fanprojekten, Faninitiativen und der AG Fankulturen auf, die in einem umfangreichen Konsultationsprozess einbezogen wurden. Koordiniert wurde dieser Prozess in Abstimmung zwischen der DFL und der „Kompetenzgruppe für Fankulturen & Sport bezogene Soziale Arbeit“ (KoFaS), die das Thema Club-Fan-Dialoge bereits seit dem Jahr 2015 eng begleitet.
  • Die DFL-Abteilung Fanangelegenheiten wird einen Leitfaden zur Erläuterung und Präzisierung der Inhalte der Richtlinien für die Ausgestaltung und Durchführung des Club-Fan-Dialogs entwickeln.

Wirtschaftliche Stabilität/Internationale Reformen

  • Die DFL bringt sich seit Monaten in enger Zusammenarbeit mit Bundesliga-Clubs intensiv in die Gespräche zur UEFA-Reform des Club Licensing und des Financial Fairplay ein und vertritt die Position des deutschen Profifußballs.
  • Die DFL unterstützt dabei Maßnahmen zur Stärkung der finanziellen Stabilität und Kostenrationalität sowie die strikte Implementierung und Sanktionierung bei Verstößen. Vorschläge zur Deregulierung oder Liberalisierung von Investoren-Geldern lehnt die DFL hingegen strikt ab. In diesem Sinne wird sich die DFL auch in der aktuell finalen Phase der Diskussionen über die UEFA-Reform einbringen.
  • Auch zu weiteren Themen laufen auf internationaler Ebene Gespräche, beispielsweise zum Rahmenterminkalender. Dieser ist im Hinblick auf die Position der nationalen Ligen von erheblicher Relevanz – erst recht vor dem Hintergrund von Expansionsplänen internationaler Verbände. Die nationalen Ligen sind die Herzkammer des professionellen Fußballs – dies muss in sämtlichen Diskussionen anerkannt und berücksichtigt werden.
  • Strategische Diskussionen in Bezug auf weitere Kriterien zur Sicherstellung wirtschaftlicher Stabilität im nationalen Lizenzierungsverfahren wurden in der DFL-Kommission „Finanzen“ initiiert. Diese werden, unter Einbezug der finalen UEFA-Reform des Club Licensing und des Financial Fairplay, fortgeführt.