DFL-Präsidium hält strukturelle Neuordnung des Schiedsrichterwesens für zwingend erforderlich

DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball

07.11.2017 - Das Präsidium der DFL Deutsche Fußball Liga hat sich am heutigen Tage im Rahmen einer turnusmäßigen Sitzung eingehend mit den Themen Schiedsrichterwesen und Video-Assistent befasst. Dabei verständigte sich das Gremium einstimmig auf folgende Positionen:

1. Das DFL-Präsidium nimmt die kurzfristig beschlossene personelle Neuausrichtung des laufenden Projektes Video-Assistent zur Kenntnis und stellt fest: Ein komplexer Pilotversuch darf nicht von persönlichen Befindlichkeiten belastet werden, die Sache muss im Vordergrund stehen.

2. Die DFL begrüßt den nochmaligen Hinweis des DFB, dass die nach dem 5. Spieltag vom DFB vollzogene und nicht mit der Liga abgestimmte „Kurskorrektur“ in Bezug auf das Zusammenspiel zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent gegenstandslos ist. Eine funktionierende Kommunikation ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für einen Erfolg des Projektes. Nur wenn Spieler, Trainer, Club-Verantwortliche und Zuschauer die Abläufe und Regelauslegungen sowie deren Nutzen nachvollziehen können, ist es möglich, die nötige Akzeptanz für eine sinnvolle Innovation zu erzielen.

3. Das DFL-Präsidium tritt mit Nachdruck für eine konsequente Neuordnung des Schiedsrichterwesens im Bereich der Bundesliga und 2. Bundesliga ein. Ohne Rücksicht auf Namen und Positionen ist es erforderlich, die organisatorischen Strukturen und Verantwortlichkeiten den massiv gestiegenen Erfordernissen im Sinne von Transparenz und klaren Verantwortlichkeiten anzupassen. Das Schiedsrichterwesen hat eine enorme Bedeutung für das Fußball-Spiel insgesamt. Auch angesichts der wirtschaftlichen Dimension, in denen sich der Profi-Fußball mittlerweile bewegt, erscheint es daher unverzichtbar, dass der DFB schnellstmöglich eine eigenständige Organisation des Schiedsrichterwesens unter Beteiligung der DFL gründet. Hierzu wird die DFL, die derzeit rund 17 Millionen Euro jährlich in das Schiedsrichterwesen inklusive Torlinientechnologie und Video-Assistent investiert, dem DFB einen Vorschlag übermitteln.

DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball erklärt: „Wir brauchen einen strukturellen Neuanfang im Schiedsrichterwesen. Die Pilotphase des Video-Assistenten hat schonungslos Probleme offengelegt, die es an einigen Stellen schon lange gibt und nun endlich behoben werden müssen. Das DFL-Präsidium hält die Etablierung des Video-Assistenten weiterhin für zielführend, um offensichtliche Fehlentscheidungen zu reduzieren und den Wettbewerb ein Stück weit gerechter zu machen. Offenkundig nicht geklärte Zuständigkeiten und persönliche Auseinandersetzungen dürfen diesen sinnvollen Schritt nicht weiter beeinträchtigen. Mit Blick auf das aktuell laufende Projekt gilt es nun für alle Beteiligten inklusive der Clubs, diszipliniert und konstruktiv zusammenzuarbeiten, um allen Schwierigkeiten zum Trotz den Video-Assistenten zu einem Erfolg zu machen.“ Er fügt hinzu: „Grundsätzlich ist eine eigenständige und professionell geführte Schiedsrichter-Organisation der richtige Lösungsansatz für die Zukunft. Schon um möglichen Interessenkonflikten vorzubeugen, bleibt aber die Hoheit des DFB in Schiedsrichterfragen auch bei einer Beteiligung der DFL weiterhin unbestritten.“