Fragen und Antworten zum Video-Assistenten

Vom Video-Assist-Center in Köln aus werden die Bundesliga-Schiedsrichter bei allen 306 Begegnungen von Video-Assistenten unterstützt.

18.08.2017 - In der Saison 2017/18 wird der Video-Assistent bei allen 306 Bundesliga-Spielen eingesetzt. Nach intensiven Schulungsmaßnahmen über die gesamte vergangene Spielzeit setzen die DFL und der DFB bei diesem gemeinsamen Großprojekt die zwei-jährige Testphase fort, die unter der Federführung der FIFA und des für das weltweite Fußballregelwerk zuständigen International Football Association Board (IFAB) bis 2018 stattfindet. Schon in dieser Testphase können Eingriffe der Video-Assistenten Auswirkungen auf Entscheidungen des Schiedsrichters auf dem Platz haben.

Wichtige Fragen/Antworten zum Video-Assistenten

Bei welchen Situationen kann der Video-Assistent eingreifen?

Diese Möglichkeit gibt es in vier Fällen:

  • Torerzielung (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten)
  • Strafstoß/Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Rote Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte)

Voraussetzung für ein Eingreifen des Video-Assistenten ist jeweils, dass nach seiner Einschätzung ein offensichtlicher Fehler des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt. Ist eine solche, klar falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters auf dem Platz nicht gegeben, darf der Video-Assistent nicht eingreifen. Die Neuerung wird also kein Allheilmittel sein, auch weiterhin wird es Szenen geben, die nicht richtig aufzulösen sind. Dennoch soll der Video-Assistent den Fußball ein Stück weit gerechter machen.

Wer fungiert als Video-Assistent?

Zum Einsatz kommen die 23 Bundesliga-Schiedsrichter der vergangenen Saison 2016/17, die alle die umfangreichen Schulungsmaßnahmen absolviert haben; also auch die drei Unparteiischen, die mit dem Ende dieser Spielzeit im vergangenen Mai wegen Erreichens der Altersgrenze von 47 Jahren ihre Karriere als Referees auf dem Rasen beenden mussten: Dr. Jochen Drees, Günter Perl und Wolfgang Stark, Rekord-Schiedsrichter der Bundesliga mit 344 Einsätzen.

Wo verfolgen die Video-Assistenten die Spiele?

Wie schon bei den bisherigen Tests, werden die Video-Assistenten zentral in Köln im Video-Assist-Center eingesetzt. Parallel können bis zu sechs Spiele von je einem Video-Assistenten verfolgt werden. In Ausnahmefällen kann an den beiden abschließenden Spieltagen, wenn alle neun Bundesliga-Begegnungen parallel ausgetragen werden, eventuell zusätzlich aus einem Van am Stadion gearbeitet werden. Grundsätzlich hatten sich die Verantwortlichen aber gegen die Van-Lösung entschieden.

Wer trifft die Entscheidung?

Grundsätzlich liegt jede Entscheidung letztlich unverändert beim Schiedsrichter auf dem Platz. Der Video-Assistent ist also kein Ober-Schiedsrichter. Er erweitert das Team des Schiedsrichters – zusätzlich zu den beiden Assistenten an den Seitenlinien und dem Vierten Offiziellen. Jeder Video-Assistent wiederum wird im Video-Assist-Center durch jeweils zwei Operatoren unterstützt. Diesen Video-Technikern fällt die wichtige Aufgabe zu, möglichst schnell Szenen mit den besten Perspektiven aus dem Angebot an Bildern aus den Stadien herauszufiltern, um dem Video-Assistenten eine optimale Bewertung zu ermöglichen. Sein eigenes Urteil zu einer Szene kann der Video-Assistent bei Bedarf mit einem Supervisor abstimmen, der an jedem Spieltag vor Ort im Video-Assist-Center anwesend ist.

Welche Bilder aus dem Stadion kann der Video-Assistent nutzen?

Alle Kamera-Perspektiven, die für die Übertragung der Spiele von der Sportcast GmbH angeboten werden. Die Tochtergesellschaft der DFL produziert das weltweite Fernsehbild von allen Spielen der Bundesliga und der 2. Bundesliga. In der Regel werden dem Video-Assistenten Aufnahmen von 17 Kameras zur Verfügung stehen.

Wie kommunizieren der Schiedsrichter auf dem Platz und der Video-Assistent?

Über Funkkontakt. Der Schiedsrichter auf dem Platz nutzt dabei das Headset, mit dem er schon mit seinen beiden Assistenten an den Seitenlinien und dem Vierten Offiziellen in Verbindung steht.

Wer kann den Kontakt einleiten?

Die Kommunikation kann sowohl vom Video-Assistenten als auch vom Schiedsrichter auf dem Platz ausgehen.

Wie viel Zeit darf die Klärung einer Situation in Anspruch nehmen?

Eine maximale Dauer wird nicht benannt. Ziel ist die möglichst schnelle Klärung. Während der Schulungsphase 2016/17 wurde diese Zeitspanne im Vergleich zur Anfangsphase deutlich auf eine Spanne zwischen zehn und 40 Sekunden reduziert.

Kann der Schiedsrichter auf dem Platz eine Szene selbst noch einmal in einer Wiederholung anschauen?

Ja. Diese Möglichkeit besteht auf einem Video-Monitor am Spielfeldrand. In diesem Fall wird hier genau die Kamera-Perspektive eingespielt, die der Video-Assistent für seine Bewertung genutzt hat.

Können die beiden Mannschaften die Überprüfung einer Spielsituation anfordern, vergleichbar der "Challenge" beim Tennis?

Nein. Von IFAB-Seite wurde dies nicht zugelassen, als die zweijährige Testphase 2015 beschlossen wurde.

Wie werden die Fans informiert?

Den Kontakt zum Video-Assistenten zeigt der Schiedsrichter an – vor allem als Zeichen für die Spieler –, indem er eine Hand an sein Headset führt. Gibt es die Änderung einer Entscheidung oder möchte sich der Schiedsrichter die Szene auf dem Video-Monitor am Spielfeldrand ansehen, so zeichnet der Schiedsrichter mit beiden Händen symbolisch den Umriss eines TV-Bildschirms in die Luft. Fans im Stadion werden auch über die Videowand darüber informiert, dass eine solche Bewertung stattfindet. Die TV-Zuschauer sehen, durch einen für diese Situation entwickelten optischen Hinweis darauf besonders vorbereitet, zusätzlich die Kamera-Perspektive, die für die Änderung einer Entscheidung ausschlaggebend ist.