DFL Deutsche Fussball Liga

Fragen und Antworten zum Video-Assistenten

10.08.2018 – Seit der Saison 2017/18 wird der Video-Assistent bei allen 306 Bundesliga-Spielen eingesetzt. Nach intensiven Schulungsmaßnahmen über die gesamte vorangegangene Spielzeit setzten die DFL und der DFB bei diesem gemeinsamen Großprojekt damit die zweijährige Testphase fort, die unter der Federführung der FIFA und des für das weltweite Fußballregelwerk zuständigen International Football Association Board (IFAB) bis zur ersten Jahreshälfte 2018 stattfand. Schon in dieser Testphase hatten Eingriffe der Video-Assistenten Auswirkungen auf Entscheidungen des Schiedsrichters auf dem Platz. Nachdem von IFAB-Seite am 3. März 2018 die Aufnahme in das Regelwerk erfolgt war, beschlossen die Bundesliga-Clubs die offizielle Einführung des Video-Assistenten zur Saison 2018/19. In dieser Spielzeit finden für die 2. Bundesliga Offline-Tests statt. Davon sind die Spiele der 2. Bundesliga allerdings in keiner Weise direkt betroffen. Über eine offizielle Einführung auch in der 2. Bundesliga befinden wiederum die 18 Clubs.

Wichtige Fragen/Antworten zum Video-Assistenten

Bei welchen Situationen kann der Video-Assistent eingreifen?

Diese Möglichkeit gibt es in vier Fällen:

  • Torerzielung (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten)
  • Strafstoß/Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Rote Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte)

Voraussetzung für ein Eingreifen des Video-Assistenten ist jeweils, dass nach seiner Einschätzung eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt. Ist eine solche, klar falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters auf dem Platz nicht gegeben, darf der Video-Assistent nicht eingreifen. Die Innovation stellt also kein Allheilmittel dar. Auch weiterhin wird es Szenen geben, die nicht richtig aufzulösen sind. Dennoch soll der Video-Assistent den Fußball ein Stück weit gerechter machen.

Wer fungiert als Video-Assistent?

In der Saison 2018/19 kommen 28 Video-Assistenten zum Einsatz. In der Spielzeit 2017/18 waren es anfangs die 23 Bundesliga-Schiedsrichter der vorangegangenen Saison 2016/17, die alle die umfangreichen Schulungsmaßnahmen absolviert hatten; also auch die drei Unparteiischen, die mit dem Ende dieser Spielzeit wegen Erreichens der Altersgrenze von 47 Jahren ihre Karriere als Referees auf dem Rasen beenden mussten: Dr. Jochen Drees, Günter Perl und Wolfgang Stark, Rekord-Schiedsrichter der Bundesliga mit 344 Einsätzen. Hinzukamen drei neu in die Bundesliga aufgestiegene Schiedsrichter nach entsprechenden Schulungsmaßnahmen.

Wo verfolgen die Video-Assistenten die Spiele?

Wie schon bei den vorangegangenen Tests, arbeiten die Video-Assistenten zentral in Köln im Video-Assist-Center (VAC). Parallel können hier bis zu sechs Spiele von je einem Video-Assistenten verfolgt werden. In Ausnahmefällen kann an den beiden abschließenden Spieltagen, wenn alle neun Bundesliga-Begegnungen parallel ausgetragen werden, zusätzlich aus Vans am Stadion gearbeitet werden, wie dies am Ende der Saison 2017/18 praktiziert wurde. Grundsätzlich hatten sich die Verantwortlichen aber gegen die Van-Lösung entschieden. Auch die meisten anderen internationalen Ligen bevorzugen die zentrale Variante. Bei der WM 2018 in Russland wurde ebenfalls von einer zentralen Stelle, in diesem Fall in Moskau, gearbeitet. Ein Vorteil der zentralen Lösung ist die größere technische Sicherheit.

Wer trifft die Entscheidung?

Jede Entscheidung liegt letztlich unverändert beim Schiedsrichter auf dem Platz. Der Video-Assistent ist also kein Ober-Schiedsrichter. Er erweitert vielmehr das Team des Schiedsrichters – zusätzlich zu den beiden Assistenten an den Seitenlinien und dem Vierten Offiziellen. Jeder Video-Assistent wiederum wird im Video-Assist-Center (VAC) durch jeweils einen Assistenten und zwei Operatoren unterstützt. Diesen Video-Technikern fällt die wichtige Aufgabe zu, möglichst schnell Szenen mit den besten Perspektiven aus dem Angebot an Bildern aus den Stadien herauszufiltern, um dem Video-Assistenten eine optimale Bewertung zu ermöglichen.

Welche Kameras im Stadion kann der Video-Assistent nutzen?

Alle Kamera-Perspektiven, die für die Übertragung der Spiele von der Sportcast GmbH angeboten werden, dazu die beiden Kameras der Torlinientechnologie. Die Tochtergesellschaft der DFL produziert das weltweite Fernsehbild von allen Spielen der Bundesliga und der 2. Bundesliga. In der Regel werden dem Video-Assistenten bei Bundesliga-Spielen Aufnahmen von 19 bis 21 Kameras zur Verfügung stehen.

Wie kommuniziert der Schiedsrichter auf dem Platz mit dem Video-Assistenten?

Über Funkkontakt. Der Schiedsrichter auf dem Platz nutzt dabei das Headset, mit dem er schon mit seinen beiden Assistenten an den Seitenlinien und dem Vierten Offiziellen in Verbindung steht.

Wer kann den Kontakt einleiten?

Die Kommunikation kann sowohl vom Video-Assistenten als auch vom Schiedsrichter auf dem Platz ausgehen.

Wie viel Zeit darf die Klärung einer Situation in Anspruch nehmen?

Eine maximale Dauer wurde nicht benannt. Ziel ist immer die möglichst schnelle Klärung. In der gesamten Saison 2017/18 dauerte eine Überprüfung im Schnitt 57 Sekunden, während der Rückrunde sogar nur noch 53 Sekunden. Zum Vergleich: Bei der WM 2018 in Russland wurden für einen Check durchschnittlich 80 Sekunden benötigt.

Kann der Schiedsrichter auf dem Platz eine Szene selbst noch einmal in einer Wiederholung anschauen?

Ja. Diese Möglichkeit besteht auf einem Video-Monitor am Spielfeldrand. In diesem Fall wird hier genau die Kamera-Perspektive eingespielt, die der Video-Assistent für seine Bewertung genutzt hat.

Können die beiden Mannschaften die Überprüfung einer Spielsituation anfordern, vergleichbar der „Challenge“ beim Tennis?

Nein. Von IFAB-Seite wurde dies schon zu Beginn der zweijährigen Testphase 2015 nicht zugelassen. Grund dafür ist unter anderem ein zu erwartender, immenser Zeitverlust in jedem Spiel bei vier Möglichkeiten einer „Challenge“ pro Begegnung. Hingegen findet die Überprüfung einer Schiedsrichter-Entscheidung durch den Video-Assistenten nach den bisherigen Erfahrungen nur in jedem dritten Spiel statt.

Wie werden die Fans informiert?

Mit Beginn der Saison 2018/19 wurde die Transparenz für die Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen erhöht. Direkt aus dem Video-Assist-Center (VAC) in Köln werden dem betreffenden Heimclub eines Bundesliga-Spiels Textbausteine zur Verfügung gestellt – allerdings nur für den Fall einer tatsächlichen Überprüfung. Diese werden vom Club-TV des jeweiligen Vereins auf die Videowand gespielt – als Erläuterung für die Fans, welche Gründe es für die Überprüfung gab und welche finale Entscheidung der Schiedsrichter getroffen hat. Hierfür sind Varianten für mehr als 100 verschiedene Spielsituationen vorbereitet.

Erfolgt die Änderung einer Entscheidung oder möchte sich der Schiedsrichter die Szene auf dem Video-Monitor am Spielfeldrand ansehen, so zeichnet der Unparteiische mit beiden Händen symbolisch den Umriss eines TV-Bildschirms in die Luft. Fans im Stadion werden zunächst durch das Video-Assist-Logo auch über die Videowand darüber informiert, dass eine solche Bewertung stattfindet. Zuschauer an den Bildschirmen können seit der Saison 2018/19 optional durch Textgrafiken über den Ablauf des Checks einer Schiedsrichter-Entscheidung informiert werden.

Welche Rolle spielt die Abseitslinie?

Die erfolgreiche Nutzung der Abseitslinie bei der WM wird von DFL und DFB als Qualitätssiegel für den Einsatz in der Bundesliga gewertet, zumal die in Russland tätigen deutschen Video-Assistenten die Abseitslinie als sehr hilfreich einstuften. Darüber hinaus wird in der Bundesliga dasselbe System („Hawk-Eye“) wie bei der WM verwendet. Optimale technische Vorbereitungen bei jedem einzelnen Bundesliga-Spiel und hohe Regelkenntnisse der Video-Assistenten auch bei schwer zu beurteilenden Situationen ergeben eine bestmögliche Basis für die Nutzung der kalibrierten Abseitslinie. Unterstützung bietet bei besonders knappen Szenen zudem die Möglichkeit einer 3D-Ergänzung zur Abseitslinie unter Zuhilfenahme eines Lots. Im Falle der Überprüfung einer Abseitssituation durch den Video-Assistenten wird eine Grafik mit Abseitslinie im TV-Basissignal gezeigt.