Demokratie verteidigen – Lernen aus der Geschichte des Fußballs

Auf dem Foto sieht man die Spieler von Borussia Mönchengladbach in grün-weiß gestreiften Trikots und die Spieler des VfL Bochum in dunkelblauen Trikots. Beide Mannschaften stehen in einer Reihe hinter einem schwarzen Banner, mit der Aufschrift "Nie wieder ist jetzt!" und dem Hastah WeRemember in grüner Schrift. Im Hintergrund ist die Fankurve von Borussia Mönchengladbach zu sehen.
Die Botschaft „Nie wieder ist jetzt!“ wurde unter anderem in der Saison 2024/25 bei der Begegnung zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Bochum vor dem Anpfiff als Banner präsentiert.
Foto: IMAGO/Eibner-Pressefoto

23.1.2026 – Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Jedes Jahr rund um diesen Tag gedenkt der deutsche Fußball gemeinsam mit der Initiative „!Nie Wieder“ der im Nationalsozialismus verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen.  

Sport und Fußball – nie unpolitisch 

Das NS-Regime hat sich den Sport auf unterschiedliche Weise zu Nutze gemacht. Sport sollte unter anderem Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit steigern und die Freizeitgestaltung normieren. Vor allem diente der Sport als Propagandamittel. Die Olympischen Spiele vor 90 Jahren waren das sportliche Großereignis schlechthin, das die Nazis dafür nutzten, ihre Macht zu demonstrieren und ihre Ideologie zu verankern – weit über Deutschland hinaus. 

Auch der deutsche Fußball mit seinen englischen Wurzeln und seinen vielen jüdischen Pionieren wie Walther Bensemann, der im Jahr 1900 an der Gründung des DFB beteiligt war und 1920 den „kicker“ ins Leben rief, war nicht immun gegen den nationalsozialistischen Hass. Im Gegenteil: Viele Vereine wirkten an der Entrechtung jüdischer Bürgerinnen und Bürger aktiv mit – obwohl die NS-Führung dies im Sport mit Rücksicht auf die Olympischen Spiele 1936 zunächst nicht forcierte. Es bedurfte vielerorts also nicht einmal von oben verordneter Gleichschaltung. Selbst für Nationalspieler wie Julius Hirsch, der mit dem von Bensemann gegründeten Karlsruher FV 1910 Deutscher Meister wurde, war in ihrem Sport kein Platz mehr. Hirsch wurde in Auschwitz ermordet. 

Viele führende Sportfunktionäre blieben trotz alledem nach 1945 in ihren Ämtern. Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis Vereine und Verbände mit der Aufarbeitung ihrer Rolle während der NS- Zeit begonnen haben.  

Was hat das heute mit uns zu tun? 

All dies zeigt: Politische Neutralität des Sports ist eine Fiktion. Sportvereine sind per Organisationsform politische Institutionen, denn sie basieren auf demokratischen Grundwerten, leben von Mitbestimmung und Gleichberechtigung.  

Der Blick in die Geschichte zeigt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Und fast immer, wenn die Demokratie unter Druck gerät, geht dies einher mit antisemitischen Tendenzen. Der Fußball mit seiner Strahlkraft trägt Verantwortung, unsere demokratischen Werte zu leben und zu verteidigen. Aktives Gedenken bedeutet daher gelebte Solidarität mit Jüdinnen und Juden, auch und gerade dann, wenn dies – wie derzeit – Courage und Haltung erfordert. 2026 gilt umso entschlossener die Botschaft der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz: „Nie wieder!“ 

„Nie wieder“ ist jetzt. Und immer. 

Über den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ 

Am 27. Januar 2004 unterzeichneten Besucher des Gottesdienstes einen Brief an die DFL und den DFB in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau. Darin wurde den beiden Organisationen vorgeschlagen, gemeinsam mit den Ideengebenden einen „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ ins Leben zu rufen, erstmals am Spieltag um den 27. Januar 2005, 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. 
 
Das Netzwerk „!Nie Wieder“ besteht heute aus einer Vielzahl an Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und Institutionen insbesondere aus dem Fußball. Auch in diesem Jahr beteiligt sich der Profifußball mit vielfältigen Aktivitäten im Kontext der Erinnerungstage rund um den 27. Januar, wenn sich der Tag, an dem die Überlebenden im Konzentrationslager Auschwitz befreit wurden, zum 81. Mal jährt. 

Weitere Informationen zur Initiative „!Nie Wieder“ finden Sie auch auf niewieder.info