Das war das „DFL Nachhaltigkeitsforum“

Mehr als 200 Gäste versammelten sich im Futurium (Haus der Zukünfte) in Berlin.
Alle Fotos: DFL/Getty Images/Reinaldo Coddou H.

28.07.2022 – „Zukunft gestalten“ – unter diesem Motto stand das „DFL Nachhaltigkeitsforum“, das am vergangenen Dienstag zum ersten Mal stattgefunden hat. Mit der künftig jährlichen Ausrichtung der Veranstaltung schafft die DFL eine neue Austauschplattform zum Thema Nachhaltigkeit für die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie Teilnehmende unter anderem aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Sport und Medien. Zur Auftaktveranstaltung kamen mehr als 200 Gäste im Futurium (Haus der Zukünfte) in Berlin zusammen, um sich über vielfältige Nachhaltigkeitsthemen auszutauschen.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung und Begrüßung durch Donata Hopfen, Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, folgten virtuelle Grußworte von Svenja Schulze (Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Cem Özdemir (Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft). Anschließend betraten zahlreiche Expertinnen und Experten das Podium – bei Keynotes, Interviews und Diskussionsrunden lieferten sie vielfältige Impulse.

Dazu gehörten Keynotes von Lindita Xhaferi-Salihu (United Nation Climate Change, Lead Sports for Climate Action – Thema: „Sports4Change“) und Dr. Stefan Brandt (Direktor Futurium – Thema: „Wie wollen wir leben?“).  

Eine Einordnung zu den speziell seit dem Vorjahr verstärkten Bestrebungen der DFL beim Thema Nachhaltigkeit nahmen Dr. Marc Lenz (Mitglied der DFL-Geschäftsleitung, Direktor Unternehmensstrategie) und Marika Bernhard (Lead Nachhaltigkeit, Direktion Unternehmensstrategie) vor. In der darauffolgenden #BundesligaWIRKT-Podiumsdiskussion mit Carsten Cramer (Geschäftsführer Borussia Dortmund), Evelyn Holderbach (Director Sustainability & International Development RB Leipzig), Ilja Kaenzig (Sprecher der Geschäftsführung VfL Bochum 1848), Nicole Kumpis (Präsidentin Eintracht Braunschweig) und Esin Rager (Vizepräsidentin FC St. Pauli) wurden Chancen und Herausforderungen für die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga diskutiert.

Eine weitere Podiumsdiskussion befasste sich mit Forderungen und Initiativen von Partnern und Unternehmen aus der Wirtschaft – Teilnehmende waren Jana Bernhard (Geschäftsführerin S20 – The Sponsors‘ Voice e.V.), Charly Classen (Executive Vice President Sports Sky Deutschland), Tanja Ferkau (Geschäftsführerin IMPCT gGmbH und externes Mitglied der DFL-AG Nachhaltigkeit), Marcus Sagitz (Head of Marketing PreZero) und Dr. Steffen Merkel (Mitglied der DFL-Geschäftsleitung, Direktor Audiovisuelle Rechte). Charly Classen und Dr. Steffen Merkel gaben in diesem Zusammenhang bekannt, dass die Medienproduktion aller Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga in enger Zusammenarbeit mit Sky ab sofort klimaneutral umgesetzt wird.

Eindrücke vom DFL Nachhaltigkeitsforum, Teil I:

Dem Thema „Changing the narrative: Nachhaltige Unternehmensführung“ widmete sich Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Schaltegger (Leiter Centre for Sustainability Management Leuphana Universität). Gemeinsam mit Henrik Horndahl (Redaktionsleiter SPONSORs) wurde anschließend das von der DFL mitinitiierte und von der Leuphana Universität und SPONSORs umgesetzte Weiterbildungsangebot „Nachhaltigkeit in Sportorganisationen“ vorgestellt. Mitarbeitenden von Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga wird auf diesem Weg mit wissenschaftlicher Unterstützung ein Ausbau ihrer Expertise im Bereich Nachhaltigkeit ermöglicht.

Anschließend ging es im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema „Sports4Change“ mit Marius Dietrich (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Franziska Fey (Vorstandsvorsitzende DFL Stiftung), Barbara Lutz (Gründerin und Geschäftsführerin Frauen Karriere Index), Lena Schrum (Gründerin und Co-Geschäftsführerin aware) darum, wie der Sport nachhaltige Entwicklung fördern kann.

Zum Abschluss des Nachhaltigkeitsforums erfolgte eine Einordnung aus medialer Perspektive durch Oliver Fritsch (Redakteur im Ressort Sport, ZEIT ONLINE), ehe Dr. Marc Lenz und Marika Bernhard die Veranstaltung mit einem Ausblick auf die nächsten Schritte des deutschen Profifußballs im Bereich Nachhaltigkeit beschlossen.


Eindrücke vom DFL Nachhaltigkeitsforum, Teil II:

Durch das „DFL Nachhaltigkeitsforum“ wurden Weichenstellungen, Potenziale und konkrete Schritte von DFL und Clubs aufgezeigt – mit der klaren Botschaft: Es gilt weiterhin, Verantwortung zu übernehmen, voranzugehen und die Zukunft zu gestalten.

Nachhaltigkeitskriterien in der Lizenzierungsordnung

Die jährliche Ausrichtung des „DFL Nachhaltigkeitsforum“ ist insofern ein weiterer wesentlicher Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Ein eindeutiges Bekenntnis zu Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen (ökologisch, ökonomisch, sozial) hatten die 36 Proficlubs der Bundesliga und 2. Bundesliga im Dezember 2021 in die Präambel der Satzung des DFL e.V. aufgenommen und darüber hinaus grundsätzlich beschlossen, dass Nachhaltigkeitskriterien Bestandteil des Lizenzierungsverfahrens werden sollen. Die Verankerung der Nachhaltigkeitsrichtlinie erfolgte im Mai 2022 durch einen entsprechenden Beschluss der DFL-Mitgliederversammlung.

Vorgesehen ist nun ein mehrstufiges Modell der Implementierung. Dazu wurden zunächst im Rahmen der Mitgliederversammlung im Mai 2022 die Mindestkriterien verabschiedet, die sich drei Themenbereichen zuordnen lassen: „Clubführung und -organisation“, „Umwelt und Ressourcen“ sowie „Anspruchsgruppen“. Verpflichtend wird für die Clubs demnach beispielsweise der Nachweis einer Nachhaltigkeitsstrategie und einer Umweltstrategie. Dazu gehören auch jährliche Messungen des Wasserverbrauchs, der Abwasserproduktion und des Energieverbrauchs sowie eine Mobilitäts- und Verkehrsanalyse. Darüber hinaus haben alle Clubs unter anderem einen Verhaltenskodex für alle Mitarbeitenden nachzuweisen, sich klar von jeglichen Arten von Diskriminierung abzugrenzen und sich zu Gleichberechtigung, Diversität sowie Inklusion zu bekennen.

Die Richtlinie hat zum Ziel, Nachhaltigkeit gesamtheitlich umzusetzen. Geplant ist eine stetige und sukzessive Weiterentwicklung der Richtlinie, damit alle Clubs die Möglichkeit haben, ihre Strukturen im Bereich Nachhaltigkeit kontinuierlich auf- und auszubauen. Die DFL wird sich weiterhin eng mit den Clubs abstimmen, um den Ausbau der Richtlinie fortlaufend voranzutreiben und zeitgleich die Umsetzbarkeit für Clubs zu gewährleisten. Teile der Mindestkriterien werden im Jahr 2023 nach der ersten Erhebung weiterentwickelt und konkretisiert. Parallel sollen Erweiterte Kriterien, für deren Erfüllung finanzielle und nicht-finanzielle Anreize gesetzt werden könnten, unter Einbezug der Clubs finalisiert und in die Richtlinie aufgenommen werden.

Bei der Ausarbeitung der Richtlinie wurde und wird berücksichtigt, dass ein Mindeststandard etabliert wird, aber Clubs, die individuell teilweise bereits umfassende Aktivitäten umsetzen, auch künftig mit Fokus auf ihre jeweiligen strategischen Schwerpunkte wirken können. Das bereits bestehende, vor allem individuelle Engagement der Clubs erhält somit einen einheitlichen Orientierungs- und Handlungsrahmen. Dabei gilt unverändert, dass derartige Maßnahmen, die enormen Einfluss auf die strukturelle, personelle und finanzielle Planung haben, für alle Clubs beider Ligen umsetzbar sein müssen. Daher ist die wirtschaftliche und strukturelle Spannweite innerhalb der DFL zu berücksichtigen – vom UEFA-Champions-League-Teilnehmer bis zum Aufsteiger aus der 3. Liga.

Unterstützungsleistungen der DFL

Zur Unterstützung in der Umsetzung der Richtlinie arbeitet die DFL gemeinsam mit externen Expertinnen und Experten zusätzlich an Unterstützungsleistungen für Clubs. Vorgesehen ist unter anderem ein Umsetzungsleitfaden. Ziel ist darüber hinaus, im Sinne zentraler Unterstützung für die Clubs ein Netzwerk aus externen Partnern verschiedener Bereiche der Nachhaltigkeit zu etablieren.

Weiterbildungsangebot zusammen mit SPONSORs und der Leuphana Universität

Parallel zur Weiterentwicklung der Richtlinie arbeitet die DFL bereits an verschiedenen Kernthemen im Bereich Nachhaltigkeit – beispielsweise durch die im Kontext des Nachhaltigkeitsforums erwähnte Mitinitiierung des Weiterbildungsangebots „Nachhaltigkeit in Sportorganisationen“, das von der Leuphana Universität Lüneburg und SPONSORs umgesetzt wird. Die Leuphana Universität bringt dabei langjährige Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement ein. SPONSORs setzt unter anderem durch seine SPOAC-Akademie bereits vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten im Sport um.

Im Rahmen des neuen Weiterbildungsprogramms werden berufsbegleitend in drei Modulen über jeweils drei Präsenztage am Leuphana-Campus in Lüneburg – und ergänzt durch ein E-Learning-Angebot – vielfältige Inhalte vermittelt: von einer thematischen Einführung über Nachhaltigkeits- und Umweltstrategien bis hin zu hilfreichen Umsetzungsmethoden, stets mit konkretem Bezug auf Sportorganisationen. Weitere Informationen sind unter nachhaltigkeit-im-sport.de zu finden.

Klimaneutrale Medienproduktion aller Spiele

Darüber hinaus wird, wie im Rahmen des „DFL Nachhaltigkeitsforum“ bekanntgegeben, die Medienproduktion aller 612 Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie der Relegation und des Supercups ab sofort klimaneutral umgesetzt. In enger Zusammenarbeit mit Medienpartner Sky wird die DFL die Treibhausgasemissionen, die bei der Medienproduktion der Begegnungen entstehen, zunächst ausgleichen und zudem intensiv an Maßnahmen zur konsequenten Reduktion der Emissionen arbeiten.