DFL Deutsche Fussball Liga

Das bittere Aus bei der EURO 2000 in Belgien und den Niederlanden, als die deutsche Nationalmannschaft mit nur einem Zähler und einem Tor in der Vorrunde scheiterte, war der Tiefpunkt: Um die Jahrtausendwende erlebte der deutsche Fußball eine sportliche kritische Phase.

Der Anschluss an die internationale Spitze, die man in den Jahrzehnten zuvor durch die Nationalelf und die Bundesliga-Clubs mitgeprägt hatte, war verloren. Es fehlten ein professioneller Unterbau, Spieler von Weltklasseformat und solche, die es werden konnten. Ein Neubeginn musste her, um den deutschen Fußball wieder zu alter Stärke zu führen. Was folgte, war eine radikale Umstrukturierung der Nachwuchsförderung, die weltweit hohe Anerkennung findet und 2014 in Brasilien mit dem Gewinn des vierten Weltmeistertitels ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Die Entwicklung der Leistungszentren in den vergangenen 20 Jahren.

Unmittelbar nach der EURO 2000 zogen die Bundesliga-Clubs und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Notbremse. Die Nachwuchs- und Eliteförderung wurde umfassend erneuert. Als großes Vorbild und Orientierungshilfe galt insbesondere die Nachwuchsarbeit des damaligen Welt- und Europameisters Frankreich am Stützpunkt Clairefontaine. Schnell wurde eine Task Force gegründet, deren Aufgabe es war, ein Konzept für die deutsche Nachwuchsförderung der Zukunft zu erstellen. Der damalige Ligaausschussvorsitzender Gerhard Mayer-Vorfelder, ab April 2001 auch DFB-Präsident, erklärte das Projekt zur Chefsache, beim im Dezember 2000 gegründeten Ligaverband um seinen ersten Präsidenten Werner Hackmann stand das Thema ebenfalls sogleich ganz oben auf der Agenda. Der DFB hob ein Talentförderprogramm aus der Taufe und investierte Millionen in das Stützpunkttraining und die dort tätigen Honorar-Trainer. Am 28. Februar 2001 beschloss der Ligaverband die für alle 18 Bundesliga-Clubs verbindliche Einführung von Leistungszentren für Nachwuchsspieler, seit 2002 auch eine Vorgabe für die 2. Bundesliga – und seitdem auch Teil des Lizenzierungsverfahrens.

Zahlen und Fakten rund um Leistungszentren. (Stand: Juli 2019)

Eine eigene Philosophie für jedes Leistungszentrum ist ebenso gefragt wie ein Angebot für Schule oder sonstige berufliche Chancen – damit die Jugendlichen auch außerhalb des Fußballs eine Zukunft haben. Bei der Einführung eines ganzheitlichen Ausbildungskonzepts zur Unterstützung der Clubs bei der Entwicklung der Talente ging es nicht um eine Vereinheitlichung bestimmter Spielsysteme. Vielmehr sollten im Sinne der fußballbegeisterten Kinder und Jugendlichen Strukturen geschaffen werden, die Erfolge im Spitzenbereich überhaupt erst möglich machen. So wurden zunächst ein Anforderungsprofil und ein Themenkatalog erstellt. Zur Saison 2007/08 führte die DFL in Zusammenarbeit mit dem belgischen Unternehmen double pass ein Zertifizierungsverfahren ein.

Die Einführung der Zertifizierung als klassisches Instrumentarium von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung war eine Erfolgsgeschichte für Clubs und Verbände. In 3-Jahres-Zyklen wurde das Instrument von 2007 bis 2019 immer wieder angepasst und weiterentwickelt. Das Resultat der Zertifizierung war ein in der Breite hohes Qualitätsniveau von Eliteförderung in den Leistungszentren. Zur Saison 2019/20 wurde auf dieser Basis ein ganzheitlicher Ansatz zur Qualitätssicherung und Qualitätssteigerung der Leistungszentren entwickelt.

Bis heute überschritten die Investitionen der 36 Proficlubs in ihre Leistungszentren die Gesamtsumme von 1,5 Milliarden. Pro Saison fördern die 36 Clubs ihre Talente regelmäßig mit mehr als 100 Millionen Euro. Der Anteil der deutschen Spieler im Lizenzfußball hat seit Einführung der Leistungszentren im Jahr 2001 deutlich zugenommen; im selben Zeitraum ist das Durchschnittsalter der Bundesliga-Profis von über 27 auf knapp 25 Jahre gesunken.