Video-Assistent: Gelungener Auftakt beim Eröffnungsspiel

Perfektes Zusammenspiel: Tobias Stieler während des Eröffnungsspiel der Bundesliga-Saison 2017/18

19.08.2017 - Beim Eröffnungsspiel der 55. Bundesliga-Saison zwischen dem FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen (3:1) feierte der Video-Assistent einen gelungenen Auftakt. In insgesamt zwölf Situationen (sieben in Halbzeit eins, fünf in Halbzeit zwei) überprüfte Video-Assistent Dr. Jochen Drees relevante Szenen und unterstützte somit Schiedsrichter Tobias Stieler, der die Partie in München leitete.

In allen Situationen entschied der Referee richtig – nur einmal musste eine Entscheidung revidiert werden: In der 52. Minute wurde Bayern-Stürmer Robert Lewandowski durch Leverkusens Defensivspieler Charles Aranguiz im Strafraum zu Boden gerissen. Video-Assistent Drees empfahl nach Sichtung der Kamerabilder, auf Elfmeter zu entscheiden. Stieler reagierte umgehend – durch das neue technische Hilfsmittel konnte eine klare Fehlentscheidung verhindert werden. Der komplette Vorgang vom Foul bis zum Elfmeterpfiff dauerte 36 Sekunden. Bei allen Szenen stand letztlich die jeweils richtige Bewertung.

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„Wir freuen uns, dass das Zusammenspiel zwischen dem Schiedsrichter auf dem Platz und dem Video-Assistenten bei dieser Premiere in der Bundesliga so gut funktioniert hat“, sagte Ansgar Schwenken, DFL-Direktor Fußball-Angelegenheiten & Fans und Mitglied der Geschäftsleitung. „Das betrifft auch den schnellen Verlauf bis zur Entscheidungsfindung bei der strittigen Situation, die zum Elfmeter geführt hat. Dieses erste Beispiel für einen Videobeweis in der Bundesliga wird sicherlich zum Verständnis bei den Zuschauern in den Stadien und an den TV-Geräten für diese Neuerung beigetragen haben und dadurch auch für noch höhere Akzeptanz sorgen."

„Wir sind mit dem Ablauf des Eröffnungsspiels zufrieden“, sagte Hellmut Krug, DFB-Schiedsrichter-Manager und Projektleiter Video-Assistent, der bei der Partie gleichzeitig als Supervisor fungierte. „Die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent verlief einwandfrei. Wir kamen bei der Bewertung der relevanten Szenen zu einer schnellen und präzisen Entscheidung. Unsere intensive Vorbereitung hat sich ausgezahlt, an den heutigen Start wollen wir gemeinsam anknüpfen.“

„Die Situation vor dem Strafstoß war ein Paradebeispiel dafür, wie der Videobeweis uns Schiedsrichter unterstützen kann“, sagte Tobias Stieler, für den es der 76. Einsatz als Bundesliga-Schiedsrichter war. „Ich habe das Halten gegen den Spieler Lewandowski nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen, da es abseits vom Spielgeschehen geschah. Mein Gefühl war, dass es ein Foul gewesen ist, aber es war mir nicht möglich, mit hundertprozentiger Sicherheit auf Strafstoß zu entscheiden. Mein Video-Assistent hat meinen Eindruck nach Überprüfung der Fernsehbilder dann aber schnell bestätigt. Die Situation war im Zusammenspiel mit dem VA schnell und richtig gelöst und die korrigierte Entscheidung wurde von allen Beteiligten umgehend akzeptiert.“

„Trotz des Unwetters in München hatte ich jederzeit einen stabilen Funkkontakt zu Tobias Stieler“, sagte Dr. Jochen Drees, der in der Saison 2017/2018 als einer von 23 Video-Assistenten eingesetzt wird. „Die Arbeit im Video-Assist-Center in Köln verlief sehr konzentriert und professionell ab: Die beiden Operatoren spielten mir schnell die jeweilige Kameraperspektive zu. Bei der Strafraumsituation in der 52. Minute konnte unmittelbar aufgeklärt werden, dass der Bayern-Stürmer bei seiner Angriffsaktion regelwidrig umgerissen wurde und ich empfahl Tobias Stieler daher, auf Strafstoß zu entscheiden.“

Neben der genannten Strafraumsituation wurde grundsätzlich auch überprüft, ob bei den vier Toren alles regelkonform ablief. Zudem checkte Video-Assistent Drees unter anderem in der 12. Minute ein Foulspiel von Karim Bellarabi an Sebastian Rudy, in der 26. Minute ein Vergehen von Robert Lewandowski an Sven Bender und in der 68. Minute ein Einsteigen von Karim Bellarabi an Joshua Kimmich. In allen Szenen war die Entscheidung von Schiedsrichter Stieler korrekt, keinen Platzverweis auszusprechen. Der Video-Assistent wird bei allen 306 Bundesliga-Spielen eingesetzt. Dadurch sollen klare Fehlentscheidungen vermieden und mehr Fairness im Fußball ermöglicht werden. Ein Eingriff kann bei klaren Fehlentscheidungen in den vier Auslösungsmomenten – Torerzielung, Strafraumsituation, Rote Karte und Spielerverwechslung – erfolgen.

Die Video-Assistenten sitzen im sogenannten Video-Assist-Center in Köln. In dem Studio haben sie Zugriff auf alle Kamerabilder, die rund um die jeweilige Partie zur Verfügung stehen. Mit dem jeweiligen Schiedsrichter sind sie via Funk verbunden. Durch das Gemeinschaftsprojekt übernehmen DFL und DFB eine weltweite Vorreiterrolle.