Bastian Schweinsteiger ist der Coverboy der neuen FIFA-Version
Geheimtraining mit Bastian Schweinsteiger

Von bundesliga.de-Redakteur Andreas Messmer

Kein Wunder, dass die Bundesligatrainer mittlerweile vermehrt auf geheime Trainingseinheiten setzen. Im Whirlpool liegt Champagner auf Eis, adrett gekleidete Bedienungen servieren Häppchen und auf gut gepolsterten Sofas fläzen sich die Spieler vor riesigen Flachbildschirmen.

"Geheimtraining mit Bastian Schweinsteiger", nennt sich die Veranstaltung in einer Hotel-Suite am Münchner Marienplatz. EA SPORTS hat zum Pressetermin eingeladen, um das Videospiel FIFA10 zu promoten.

Iniesta sorgt für Ruhe

Im Salon der Suite steigt das Viertelfinale im Blitzturnier. Dem Turniersieger winkt ein Duell mit Bastian Schweinsteiger. Mein Gegner arbeitet für ein Videospiel-Magazin. Er wählt wie ich den FC Barcelona. Ich mache mich auf einen Profi gefasst, spiele Sicherheitspässe in der Anfangsphase. Zocken ist schließlich der Job dieser Jungs. Mit dem Mundwerk ist mein Gegner schneller als am Controller. "Das muss der Schiri doch pfeifen! Der war doch Abseits!", meint er.

Nach einer schönen Kombination bringe ich ihn zum Schweigen: Thierry Henry schiebt die Kugel freistehend aus acht Metern in die Maschen. Als sich mein Spielgefährte gerade berappelt hat, lege ich nach: Gefühlvoller Schlenzer von Andres Iniesta aus halbrechter Position, das Spielgerät schlägt rechts oben im Kreuzeck ein. Kurz vor Schluss fange ich noch ein Weitschusstor, weil Victor Valdes nicht seinen besten Tag hat. Sei's drum, die erste Duftmarke ist gesetzt.

"Man lernt die Gegner besser kennen"

Im Nebenzimmer sitzt Bastian Schweinsteiger im Scheinwerferlicht. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern beantwortet seelenruhig die immer gleichen Fragen der Journalisten. Der 25-Jährige ist der Coverboy der neuen FIFA-Version. Zusammen mit Wayne Rooney ziert er den Deckel der neuesten Ausgabe der Videospielreihe, die allein in der ersten Woche europaweit 1,7 Millionen Mal über die Ladentische ging.

Mit welchen Teams er am liebsten spiele, ob er mit den Fähigkeiten seines virtuellen Ichs zufrieden sei und ob er denn nun der beste Konsolenspieler beim FC Bayern sei, wird er gefragt. ManUnited, Barca, ja und ja lauten seine Antworten. Schweinsteiger ist selbst begeisterter Konsolen-Zocker. "Thomas Müller und Holger Badstuber sind noch ganz gut", räumt er lächelnd ein. Insbesondere die jüngeren Profis sind offenbar auch auf der virtuellen Wiese versierte Techniker.

Schwedens Sturmstar Henrik Larsson hat sogar die These aufgestellt, dass die jüngeren Spieler Vorteile hätten, weil Sie an der Konsole Dinge visualisieren, die sie dann automatisch im echten Leben imitieren. "Man lernt die Spieler und Mannschaften auf jeden Fall besser kennen", sagt Schweinsteiger. "Trifft man beispielsweise auf weniger bekannte Mannschaften, dann findet man durch FIFA heraus, wer auf welcher Position spielt und wo die Stärken der gegnerischen Spieler liegen."

Messi macht es spannend

Halbfinale beim Blitzturnier. Dieses Mal wartet der FC Arsenal. Mein nächster Gegner schreibt ebenfalls für eine Gaming-Zeitschrift. Den zweiten Konsolen-Freak fidel ich auch noch vom Rasen, denke ich und treibe meine Katalanen nassforsch nach vorne. Mein Kontrahent bestraft meinen Hochmut eiskalt. Cesc Fabregas lässt's nach zwei Minuten aus der Distanz klingeln. "Du spielst das doch dauernd bei der Arbeit", sage ich anklagend. Er grinst erhaben und verpasst mir mit einem Abstaubertor durch Andrey Arshavin den nächsten Nackenschlag. Mit 0:2 zur Halbzeit bin ich gut bedient.

Nach dem Seitenwechsel schlage ich zurück: Xavi steckt am linken Flügel auf Henry durch, der tänzelt zwei Verteidiger auf dem Bierdeckel aus und legt überlegt zur Mitte. Lionel Messi hämmert die Kugel aus zehn Metern kompromisslos in die Maschen - 1:2. Plötzlich bin ich wieder dran, brenne ein Offensivfeuerwerk ab. Mein Gegner schlägt die Bälle hoch und weit aus der Gefahrenzone, um nur Sekunden später die nächste Angriffswelle auf sich zurollen zu sehen. Barca drückt, Barca drängt, doch am Ende hat die Mauertaktik der Engländer Erfolg.

"Psychologisch wichtiger Zeitpunkt"

Einen lässt die emotionale Schlacht kalt, die an den Controllertasten tobt. Gil Grobe steht etwas abseits und befasst sich eingehend mit dem kalten Buffet. Wie Ober- gegen Untergiesing muss ihm unser Gestümper vorkommen. Grobe ist Profi-Spieler, einer der besten Deutschlands. Er war bereits Deutscher FIFA-Meister und tritt regelmäßig bei internationalen Turnieren an. "1994 bin ich mit einem der ersten Titel der Reihe eingestiegen und habe seitdem durchgehend alle gespielt", sagt er. Der Profi ist für die fachmännische Betreuung hier - insbesondere der weiblichen Gäste mit wenig Konsolen-Erfahrung.

Bastian Schweinsteiger sitzt inzwischen selbst vor dem Flachbildschirm. Im großen Finale trifft er auf meinen Bezwinger. Der FCB-Star wählt Liverpool, sein Kontrahent Chelsea. Mit geschmeidigen Kombinationen spielt sich der Bayern-Profi ein ums andere Mal an den "Blues"-Stafraum, doch die Chelsea-Abwehr lässt kaum Abschlüsse zu.

In der Nachspielzeit der ersten Hälfte dann die Führung: Schweinsteiger trifft mit Fernando Torres per sattem Rechtsschuss von der Strafraumgrenze. "Psychologisch wichtiger Zeitpunkt", sagt er. Mit Ach und Krach bringt der Mittelfeldspieler das 1:0 über die Zeit. Bayern-Minimalismus gibt's also auch an der Konsole. "Und jetzt", jubelt Schweinsteiger beim Schlusspfiff, "schickt mir den Profi!"